E-Mail Kettenbriefe- Lästig und unnütz
Disclaimer
Offenbar wird diese Seite teilweise dahingehend interpretiert, dass
die Vertriebsart MLM (Multi Level Marketing) grundsätzlich
illegal sei. Dem ist nicht so. Der vorliegende Text bezieht sich
ausserdem auf Schweizer Recht.
MLM in der Form eines Schneeballsystemes ist in der Schweiz
gemäss Lotteriegesetz verboten. Daneben gibt es mit Sicherheit
auch Formen von MLM, die völlig legal sind. Das
Unterscheidungskriteium (Art. 43 LV) ist dabei, ob Teilnehmer am
System nur dann einen Vorteil an der Teilnahme haben, wenn sie
weitere Personen zum Abschluss gleicher Geschäfte (d.h.
Teilnahme am System) bewegen können. Daraus folgt, dass
Personen, die durch MLM Waschmittel, etc. verkaufen, in der Regel
im legalen Bereich sind.
Versprechungen nicht zu erfüllen
Kaum jemand, dessen Adresse irgendwo im Internet auffindbar ist,
kennt sie nicht. Seit einigen Monaten grassieren sie wieder ganz
besonders: Spams (unverlangt zugesandte Werbe- E-Mails), in denen
versprochen wird, dass durch den Einsatz weniger Franken oder
D-Mark innert drei Monaten ein Gewinn von 90'000 DM bis zu 500'000
DM erreichbar sei. Funktionieren solle dies dank eines
Kettenbriefsystemes (euphemistisch Multi Level Marketing oder MLM
genannt). Jeder zahlt seinen Vorgängern einen kleinen Betrag
und erhält dafür sogenannte Reports, die er nun durch E-Mailwerbung
weiterverkaufen könne. Wenn jeder nur 6 Personen anwirbt, so
steht in den Mails geschrieben, verdiene man die angegebenen Summen
im Handumdrehen. Dies sollen auch ein halbes Dutzend Personen, die
im E-Mail namentlich erwähnt werden, bezeugen.
Das Angebot tönt verlockend und die Proberechnungen
leuchten auf den ersten Blick ein, sie stimmen sogar. Dabei geht
jedoch eines vergessen: die Anzahl der potentiellen Empfänger
ist beschränkt, es können nicht mehr Personen am Programm
teilnehmen, als dass es Leute gibt, die Zugang zu E-Mails haben.
Schon nach 12 Ebenen müssten über 2 Milliarden Menschen
angeworben sein- schlicht unmöglich. Genauere Rechnungen sind
unter http://www.zigenhorn.de/pyramide.htm
zu finden.
MLM- Mails sind eine Belästigung
Neben allen rechtlichen Aspekten sind MLM- Mails in erster Linie
eine Belästigung. Der Markt ist schon längst
gesättigt, kaum jemand hat die MLM- Mails noch nicht mehrfach
erhalten. Viele erhalten den Spam gleich mehrmals am Tag. Jeder ist
zwischen 12 und 15 Seiten lang, oft wird er sogar als Word-Dokument
versandt. Personen, die nun über eine langsames 56 kbit Modem
oder über Mobiltelefon ihre Mails herunterladen, enstehen so
beträchtliche Kosten. Mailboxen können nach einigen Tagen
von MLM- Spams nur so überquellen. Da die meisten MLM- Spammer
ähnliche Sammelmethoden verwenden, sind immer wieder dieselben
E-Mailadressen betroffen. Offensichtlich ist, dass
zwölfseitige, völlig nutzlose Dokumente wieder und wieder
zugestellt werden.
Der Schaden
Offenbar sind viele der MLM- Spammer der Ansicht, dass sie
zumindest ihren Einsatz wieder herausholen können. Der
angerichtete Schaden wird dabei ausser acht gelassen: verstopfte
Mailserver, lange Downloads für ein nutzloses Dokument, usw.
Einige Spammer sagen von sich selbst, dass ihnen die ganze
Spamaktion rund Fr. 20 an Telefongebühren gekostet hat. Ein
Programm, welches dem Massenversand von E-Mails dient, ist in der
Lage, das beim Versand von E-Mail zur Anwendung kommende Protokoll
(SMTP) optimal auszunützen und kann zu jedem E-Mail eine Liste
mit 100 Empfängern an den Mailserver schicken, der sie dann
weiter verteilt. Das heisst: Wenn der Spammer ein Mail verschickt,
müssen es 100 Personen herunterladen. Wenn dem Spammer also
Fr. 20 an Online- Kosten anfallen, fallen den Empfängern Fr.
2000 an Download- Gebühren an. Benötigt der Versender 10
Stunden zum Versand seiner Mails, so benötigen die
Empfänger 1000 Stunden für den Empfang. Die durch den
Mailtransport zwischen Servern anfallenden Kosten sind hier nicht
einmal einbezogen. Weltweit entsteht Schätzungen zufolge ein
Schaden von Fr. 15'000'000'000 allein durch Downloadgebühren.
MLM- Mails sind rechtlich bedenklich
MLM- Mails verstossen vermutlich gegen verschiedene Gesetze. Das
Bundesamt für Justiz (BfJ) sieht in den MLM- Spams einen
Verstoss gegen das Lotteriegesetz (Schneeballsysteme sind in der
Schweiz einer Lotterie gleichgestellt) und hat angekündigt,
gegen Personen, die sich daran beteiligt haben oder immer noch
beteiligen, Strafanzeige zu erstatten.
Selbstverständlich kommt auch das Datenschutzgesetz (DSG)
zur Anwendung. Der muntere Tausch von Adressen, wie in den Reports
beschrieben, ist mit grosser Sicherheit illegal. Die Spammer haben
auch eine Auskunftspflicht gegenüber den Beworbenen.
Betroffene können diese z.B. mit den DFFF (Davids Freundliche Folter Fragen,
Standardbrief zur Wahrnehmung des Auksunftsrechts gem. Eidg.
Datenschutzgesetz) wahrnemen.
Wahrscheinlich ist auch, dass das Vorgehen der MLM- Spammer
gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstossen.
Die reisserischen Behauptungen, dass man angeblich ohne Arbeit mit
dem angegebenen Programm zu Unmengen an Geld kommen könne,
sind schlicht unwahr, vielmehr muss man mit einer Geldbusse und dem
Einzug der Gewinne rechnen. Auch die in den Mails zitierten Zeugen
konnten bisher noch nicht glaubhaft belegt werden, es ist davon
auszugehen, dass der Urheber der MLM- Welle diese frei erfunden
hat.
Weitere Information
Pressereaktionen
Die Reports
Um am System teilzunehmen, soll man 50- 60 DM (je nach Version) an
Mitglieder im System bezahlen. Im Gegenzug erhält man die
sagenumwobenen "Reports", bei denen es sich um banale Textdateien
handelt, die schlecht formatiert in miserabelstem Deutsch das blaue
vom Himmel herunterreden. Explizit fordern sie dazu auf,
Hunderttausende von E-Mails zu versenden und geben praktische Tipps
zum spammen wie "Am Freitag abend Spammen, dann hat der
Systemadministrator Wochenende => Ihr Account wird erst am
Montag morgen geschlossen". Die Mitgliedschaft im ominösen
E-Mail List Club entpuppt sich als Link auf eine Webseite, wo
für 30 $ E-Mailadressen verkauft werden. Es versteht sich
von selbst, dass diese Reports keinesfalls als Anleitung verstanden
werden sollen, sondern lediglich der Ansicht dienen!
Newsgroups
Diskutiert über die neueste MLM- Welle wird z.B. in
de.admin.net-abuse.mail und ch.admin.
URL: http://www.trash.net/~roman/mlm/
Letzte Änderung: 30.9.2001
E-Mail an: Siehe Impressum